Teisho von Harada Tangen Roshi

6. April 1991 (übersetzt am 18.10.2020 von Shôshin)

Sitzen, sitzen, sitzt durch alles durch. Die Beine müssen inzwischen müde sein, also entspann dich jetzt. Entspann dich jetzt, damit du niemanden durch dein Herumwackeln störst.

Ich möchte, dass du, du, der du jetzt hier sitzt, ein großartiger Bodhisattva bist. Nichts von dir sitzt, um deine eigene Haut zu retten, oder deine eigene Vorstellung vom „Ich“ zu nähren. Der Wunsch nach Erleuchtung, nur um einem selbst die Last zu nehmen, was für eine Verschwendung. Was für eine Verschwendung ist es, Zazen auszuüben, weil man denkt, dass man etwas für sich selbst, für seine eigene begrenzte Vorstellung von sich selbst bekommt. Man greift so leidenschaftlich und heftig nach seiner Selbst- idee und wenn man nicht aufpasst, überträgt man sie auf seine Praxis.

Ich habe es so schwer, die Dinge sind so hart für mich, also möchte ich etwas Erleichterung und Ruhe bekommen. Deshalb übe ich. Doch selbst wenn man eine bestimmte Ebene der Praxis erreicht hat, eine bestimmte Ebene des Bewusstseins, sogar Samadhi oder die Welt der Leerheit erfährt, kann man fälschlicherweise dieses als seine eigene Welt betrachten, also eben nur eine begrenzte Vorstellung von dem, was ist. Nun man versucht es fest zu halten und will es auf keinen Fall wieder loslassen. „Ich bin so weit gekommen. Ich habe es erreicht. Ich habe etwas gesehen. Ich bin tief in meine Praxis vertieft.“ Wenn man nun anfängt so zu denken, besteht der nächste Schritt darin, sich gut zu fühlen und erst mal ein „Schläfchen“ zu halten.

Du siehst den Schmerz und das Leiden anderer nicht! Praktizierende der alten Zeit haben gesagt: „Für Menschen, die auf diese Art und Weise praktizieren, wäre es besser eine Krankheit zu haben, die Ihren Körper einfach verrottet. Es ist besser, wenn eine Krankheit diesen Körper wegnimmt, als eine egozentrische Praxis zu machen“.

Man wird von dieser verhärteten und verfestigten Vorstellung von sich selbst erfasst. Man hält sie fest. Wie weit gehst du, um an diesem Ding festzuhalten, das nur Scheiße ist? Aber gerade dieses Festhalten verhindert, dass man sieht, was wirklich ist. Man ist nur mit seiner eigenen kleinen Existenz beschäftigt und wie man den Rest dieses Lebens bequem leben kann. Da liegt die Gefahr, dass man dieses Denken auf seine Praxis übertragt und denkt, ja, wenn ich übe, kann ich es mir ja auch bequem machen.

Man kann leugnen, dass man so handelt, aber was passiert, wenn die Dinge nicht Ihren Weg gehen? Man kann es schnell bei sich erkennen und es ist leicht zu sehen. Man bekommt zumindest ein quälendes Unbehagen und sofort wird eine Barriere errichtet, eine Barrieren zwischen mir und nicht mir. Deshalb gibt es diesen alten Ausdruck, der besagt, dass ein Haufen Scheiße sauberer ist als das verhärtete Ego.

In der buddhistischen Lehre hört man natürlich immer wieder, dass nichts befleckt ist, nichts schmutzig ist. „Das reine Land, nichts ist befleckt, nichts Schmutziges. Alles perfekt so wie es ist“.

Es tauchen immer wieder Situationen auf, mit denen man mit seiner Vorstellung von einem selbst, mit seiner Vorstellung von seinem „Ich“ einfach nicht klar kommt. Diese bringen einem ziemlich leicht aus dem Gleichgewicht. Der Grund dafür ist immer wieder der gleiche, dass man eine falsche Vorstellung von sich selbst hat und diese dann noch als das Kostbarste betrachtet und das diese auf jeden Fall, auf Teufel komm raus, beschützt und geschützt werden muss. Doch diese Vorstellung ist einfach nur eine Ge-wohnheit, eine karmische Tendenz. Diese Welt ist eine riesige Ausstellung von Ur- sachen und Bedingungen. Es ist ein Museum voller Gewohnheiten und Tendenzen.

Dieses Ich, Ich, Ich. Es will stärker werden, höher und höher klettern. Sprichwörtlich wie der Affe im Baum, der von einem Ast zum anderen schwingt und versucht, dies zu erlangen und das zu vermeiden.

Es ist wie ein Fisch der seine Flosse im Wasser dreht und wenn sich der Fisch auf trockenem Land in der Luft befindet, dreht er seine Flosse weiter. Unsere Gewohnheiten sind genau so. Ursache und Wirkung kann man ständig sehen. Alles um uns herum, alles, alles entsteht nach Ursachen und Bedingungen und kommt zum Ausdruck durch Körper, Sprache und Geist und wiederum wird das Handeln und Benutzen von Körper, Sprache und Geist zweifellos seine karmischen Wirkungen haben. Jedoch die Basis von allem ist dieselbe: „Nichts befleckt, nichts schmutzig“.

Heute Morgen sprach ich davon, dass alles, alles, das gesamte Universum du selbst bist. Was auch immer man anspricht, worauf man zeigt, was auch immer man berührt, es ist alles, alles man selbst. Dank allem existiert man! Dank allem ist man hier! So ist es halt. Man kann es überhaupt nicht bekämpfen, aber genauso kann man dazu erwachen. Du bist der Meister. Das wahres Selbst bist du! Der Herz/Geist, alle Wesen, alles Eins.

Jedoch unter allen Wesen sind es die Menschen, die mit ihrem Ergreifen des Ego´ einen unangenehmen Geruch und Verwüstung verbreiten und die erbärmlichsten und beängstigsten Dinge, die egozentrischsten Dinge tun.

Aber du, jetzt hier, hörst du die Wahrheit: „Im Wesentlichen ist alles Buddha“. Nun du sollst hier nicht aufhören, nur schöne Worte hören: „Alles ist Buddha und es ist für dich gesorgt“. Nein! Dass du gerade hier sein kannst um mit einem zumindest etwas offenen Geist zu hören, dass du Buddha bist ist die Frucht unzähliger Leben. Bitte nimm es nicht auf die leichte Schulter. Sei nicht nachlässig oder unvorsichtig, es kostete sehr viel Fleiß und Mühe, Geduld und Anstrengung. Es fliegt keinem nur so zu. Das Verständnis des Buddha-Dharma ist ein unaufhörlicher und wiederholender Prozess des Hörens, des Glaubens und des Praktizierens. Du empfängst das „Festmahl“ bei deiner Übung. Durch die Übung vertieft sich dein Verständnis mehr und mehr und auch der Glaube an die Buddhaschaft nimmt Formen an.

Wie glücklich, als Mensch geboren worden zu sein! Üben zu können! Man möchte sich vor allem niederwerfen und dem grenzenlosen Dharmkörper „Vairochana Buddha“ (Shinjin pashin birusha no fu) huldigen, den wir beim Essens-sutra rezitieren. Du wirst immer noch in die eine oder andere Richtung gezerrt. Du bist noch unsicher, aber gebe nicht auf. Deine Entschlossenheit ist es, nicht auf Zweifel und Verwirrung zurückzugreifen. Immer mehr vertieft sich deine Affinität zum Dharma. Bereitwillig und offen tauchst du ein und nimmst Zuflucht in Buddha, Dharma, Sangha.

Es waren Millionen von Leben notwendig, um an den Ort zu kommen, an dem man Zuflucht suchen kann. Zuflucht zu nehmen bedeutet deine vollständige, totale Übung hier, jetzt. Jetzt nimmst du endlich Zuflucht und wir können sagen, dass du jetzt auf dem Weg zur Buddhaschaft auf Hochtouren bist. Dank deiner Einhaltung der Gebote ist es so, als wärst du auf dem 100 m Sprint zur Buddhaschaft.

Das Allerwichtigste ist genau hier unter deinen Füßen. Was auch immer auftaucht, wo immer du dich befindest, was auch immer du begegnest, sei ganz einfach eins damit. Mit alle deiner Kraft, sei eins damit! Somit gibt es keinen Raum sein Ich zu ergreifen. Wenn du den Atem zählst, während des Zählens, gibt es nur diesen Einen. Dieses Eine ist grenzenlos, endlos ohne Gegensätze. [ohne Dualität]. Bleibe ständig und beständig in dieser Praxis und werde Eins [mit Allem]. Je höher man klettert, desto deutlicher kann man das dunkle Tal unten sehen. Jedoch solange man sich in diesem Tal befindet, ist man selbst von Schatten umgeben. Erst wenn man hinauf klettert, sieht man, wie verwirrt und elend so viele Menschen sind. Man muss selbst stark sein, um anderen zu helfen, um denen zu helfen, die unglücklich sind. Wie kann man anderen helfen, solange man selbst noch im Tal ist, wo man selbst vomSchatten eingehüllt ist? Du hast keine Entschuldigung, nicht stark zu sein, denn stark zu sein bedeutet seine ganze Kraft in dies Eine-Tun zu werfen. Anderen zu helfen bedeutet ganz einfach, all deine Kraft in dieses Eine-Tun hinein zu werfen. Du erkennst, dass du selbst unten im Tal warst, ein verwirrter, hungriger Geist, ein kämpfender Dämon, das Reich der Tiere und die Hölle - die vier schrecklichen Bereiche. Selbst in unserer heutigen Welt des Überflusses gibt es immer noch so viele, die immer noch ums Überleben kämpfen. Kann man es nicht hinkriegen jemanden von Nutzen zu sein?

So, nur Ein-Tun, nur Ein-Tun. Habe hundertmal mehr Mut, du hast den Mut. Sei tapfer und Buddhaschaft erscheint sofort, ein Ausbruch von Energie in dir! Wirf diesen Körper, diesen Geist, dieses Leben hinein, in dieses Ein-Tun. Halte nichts zurück. Nach und nach wird es so kommen, das du nicht anders kannst, als dich hineinzuwerfen mit allem was du hast und bist. Nur dieses Eine-Tun. „Ichi tantei.“ Dieses eine alles entscheidende Tun. Es geht nicht darum, etwas darüber hinaus zu erreichen. Es ist nur das, aber das ganz und gar mit Mut.

Diese Art der Übung ist völlig anders als das, was man im geizigen Geist von: Ich will Satori, ich will Satori“ tut. Lass deine Praxis reifen und du wirst ein „Kensho“ [Sehen seiner ureigenen Natur] haben. Dann wirst du wissen, dass es nie ein separates Selbst gab. Aber du verweilst nicht und lehnst dich an einen Baum im Schatten. Du bist noch auf dem Weg zum Gipfel. Du bist shon weit gekommen und kletterst nun in der Nähe der Spitze. Jetzt bist du an einem Ort, an dem du dich gut fühlst. Du siehst nicht mehr mit den Augen der Dualität, aber du darfst jetzt nicht faul werden. Setz dich nicht hin, lehne dich nicht zurück. Lass nicht nach, solange du noch auf halbem Weg bist.

Du kannst dich beschweren, einige von euch, doch werdet nicht nachlässig! Ich werde euch schon nicht Zwangsregeln. Doch es ist nur zu deinem eigenen Besten. Alles gehört dir! Alles immer neu, frisch poliert. Verfeinern und verfeinern. Wenn man sagt: "Aber es gibt nichts mehr zu polieren", dann sage ich: "Vergiss es" Wer macht jetzt diesen Schritt? Gerade mit dem Erwachen zum Buddhas wirst du erkennen, dass man immer, immer weiter poliert, um den Charakter zu perfektionieren.

Zusammen mit allen Wesen erreichen wir die Buddhaschaft